In der klassischen Druckvorstufe spielte Reprofilm jahrzehntelang eine zentrale Rolle. Auch heute ist Film in vielen Produktionsprozessen weiterhin unverzichtbar – etwa im Siebdruck, Flexodruck, Offsetdruck oder in der Klischeeherstellung.
Doch der traditionelle fotografische Filmprozess stößt zunehmend an seine Grenzen. Chemische Entwicklung, steigende Entsorgungskosten und veraltete Belichtertechnologie machen den Einsatz klassischer Reprofilm-Systeme immer schwieriger.
Eine moderne und wirtschaftliche Alternative ist das Computer-to-Inkjetfilm-Verfahren. Diese Technologie ermöglicht die Filmerzeugung direkt aus digitalen Daten mit Inkjetdruckern und moderner RIP-Software.
Warum Reprofilm in der Druckvorstufe weiterhin wichtig ist
Film wird in vielen Bereichen der Drucktechnik noch immer benötigt. Seine wichtigste Aufgabe ist die Übertragung digitaler Druckinformationen auf lichtempfindliche Materialien.
Typische Anwendungen sind:
- Belichtung von Offsetdruckplatten
- Herstellung von Flexodruck-Klischees
- Siebdruck-Schablonen
- Stempel- und Klischeeherstellung
- Belichtung von elektronischen Leiterplatten
Der Film dient dabei als Maskierungsschicht, die bei der UV-Belichtung zwischen druckenden und nichtdruckenden Bereichen unterscheidet.
Die Nachteile klassischer Reprofilm-Technologie
Traditionelle Filmherstellung basiert auf fotografischem Film und chemischer Entwicklung. Dieser Prozess bringt mehrere Nachteile mit sich:
- Einsatz von Chemikalien bei der Entwicklung
- steigende Kosten für Entsorgung und Umweltauflagen
- veraltete Belichterhardware und RIP-Systeme
- schwierige Ersatzteilversorgung
- Qualitätsunterschiede durch wenige verbleibende Hersteller
Viele Druckereien investieren daher ungern weiter in diese alte Technologie.
Computer-to-Inkjetfilm: Filmerzeugung ohne Chemie
Beim Computer-to-Inkjetfilm-Verfahren wird der Film direkt mit einem hochauflösenden Inkjetdrucker erzeugt.
Die Vorteile dieser Technologie sind erheblich:
- chemielose Filmerstellung
- Nutzung moderner Druckerhardware
- Integration in digitale Prepress-Workflows
- geringere Investitionskosten
- flexible Produktion
Zusätzlich können die Inkjetdrucker häufig auch für andere Anwendungen genutzt werden, etwa:
- Large-Format-Druck
- Proofdruck
- Fotodruck
- OHP-Folien
Dadurch erhöht sich die Wirtschaftlichkeit der Investition deutlich.
Inkjetfilm ist kein normales Inkjetmaterial
Für die Filmerzeugung wird spezielles Inkjetfilm-Material benötigt.
Dieses unterscheidet sich deutlich von normalem Inkjetpapier und muss mehrere technische Anforderungen erfüllen.
Hohe optische Dichte
Damit der Film bei der UV-Belichtung zuverlässig arbeitet, muss er eine sehr hohe Schwärzung erreichen.
Typische Werte:
- Dmax 3.0 – 4.0
Diese optische Dichte wird mit Filmdensitometern gemessen.
UV-dichte Tinten
Pigmenttinten moderner Inkjetdrucker enthalten spezielle UV-Blocker, die eine zuverlässige Belichtung ermöglichen.
Beispielsweise liefern Epson-Tinten der Ultrachrome-Serie sehr hohe UV-Dichtewerte.
Maßhaltigkeit und Linienschärfe
Für präzise Druckformen ist außerdem entscheidend:
- hohe Formstabilität des Materials
- exakte Linienschärfe
- stabile Passerhaltigkeit
Besonders bei mehrfarbigen Druckjobs können schon kleine Abweichungen zu Passerproblemen führen.
Wie Inkjetfilm Tinte aufnimmt
Die Beschichtung des Inkjetfilms entscheidet darüber, wie gut die Tinte aufgenommen wird.
Es gibt zwei grundlegende Prinzipien:
Silikatbeschichtung (Standard bei Inkjetfilm)
Die Tinte wird in mikroskopisch kleine Zwischenräume der Beschichtung aufgenommen – ähnlich wie bei Silicagel-Trocknungsmitteln.
Vorteile:
- sehr schnelle Trocknung
- hohe optische Dichte
- stabile Druckoberfläche
Polymerbeschichtung
Hier quellen Polymerpartikel auf und nehmen die wasserbasierte Tinte auf – ähnlich wie eine Papierwindel.
Nachteil:
- Oberfläche bleibt länger feucht
Deshalb wird für Inkjetfilm meist eine Silikatbeschichtung auf Polyesterbasis eingesetzt.
Geeignete Inkjet-Technologien für die Filmerzeugung
Nicht jede Inkjettechnologie eignet sich gleichermaßen für die Herstellung von Reprofilm.
Thermal Inkjet (Bubble Jet)
Typische Hersteller:
- Canon
- Hewlett-Packard
Das Verfahren erzeugt Tintentropfen durch Erhitzen der Tinte. Dabei entstehen jedoch häufig sogenannte Satellitentröpfchen, die die Druckqualität beeinträchtigen können.
Diese Technik eignet sich daher eher für grobe Rasterungen im Siebdruck.
Piezo Inkjet
Diese Technologie wird vor allem von Epson eingesetzt.
Ein Piezo-Kristall im Druckkopf erzeugt Druck auf die Tinte und stößt den Tropfen präzise aus der Düse.
Vorteile:
- sehr präzise Punktwiedergabe
- hohe Auflösung
- stabile Druckqualität
Deshalb gilt Piezo-Inkjet als Standard für die Inkjetfilmproduktion.
Einsatzbereiche von Inkjetfilm in der Drucktechnik
Inkjetfilm kann in vielen Druckverfahren eingesetzt werden.
Siebdruck
Im Siebdruck dient der Film als Positivfilm zur Belichtung der Siebschablone.
Typische Rasterweiten:
- etwa 28–30 Linien/cm
Flexodruck und Klischeeherstellung
Hier wird der Film meist als Negativfilm verwendet, um die Belichtung von Polymerplatten zu steuern.
Typische Rasterweiten:
- etwa 48 Linien/cm
Offsetdruck
Im Offsetdruck wird Inkjetfilm zur Belichtung von positiven Offsetdruckplatten eingesetzt.
Standardraster:
- etwa 60 Linien/cm
Sehr feine FM-Raster sind dagegen mit Inkjetfilm weniger geeignet, da Kopierprobleme auftreten können.
Fazit: Inkjetfilm als wirtschaftliche Zukunft der Filmherstellung
Das Computer-to-Inkjetfilm-Verfahren verbindet die Vorteile digitaler Workflows mit der weiterhin notwendigen Filmerzeugung in vielen Druckprozessen.
Die wichtigsten Vorteile:
- chemiefreie Produktion
- moderne Inkjetdrucker statt alter Belichter
- geringere Investitionskosten
- flexible Nutzung der Hardware
- einfache Integration in digitale Prepress-Workflows
Damit stellt Inkjetfilm eine wirtschaftliche und zukunftssichere Alternative zum klassischen Reprofilm dar.
✔ Tipp:
Für weitere Details ist, die hier herunterladbare Präsentation (PDF) empfohlen:
https://pdf-imposition.de/wp-content/uploads/2026/03/Computer-to-Inkjetfilm-2018.pdf
Weitere Fachartikel zu Themen wie PDF-Workflow, RIP-Software, Ausschießen und digitale Druckvorstufe finden Sie regelmäßig auf meiner Website:
